Wissenschaftliche Analyse

 

Zur wissenschaftlichen Analyse der Corona-Pandemie

 

Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Maßnahmen zur Eindämmung der COVID-19 Pandemie sind in vielen Bereichen bereits deutlich spürbar. Um diese Folgen durch zielgerichtete Angebote für Unternehmer*innen der Kultur- und Kreativwirtschaft bestmöglich abfedern zu können, veröffentlichen wir in regelmäßigen Abständen die Ergebnisse der laufenden wissenschaftlichen Analyse, die bei der Einschätzung Orientierung geben können.

Auf dieser Seite stellen wir Ihnen in Auszügen die Inhalte dar:

Betroffenheit der Kultur- und Kreativwirtschaft von der Corona-Pandemie – Version 01 (veröffentlicht am 26.03.2020)

Betroffenheit der Kultur- und Kreativwirtschaft von der Corona-Pandemie – Version 02 (veröffentlicht am 21.04.2020)

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Übersicht der Fördermaßnahmen der Bundesländer zur Corona-Pandemie – Version 01 (veröffentlicht am 08.04.2020)

 


In den einzelnen Kapiteln finden Sie auch die Links zum jeweiligen Kurzpaper.

 


 

 

Betroffenheit der Kultur- und Kreativwirtschaft
von der Corona-Pandemie

Ökonomische Auswirkungen anhand einer Szenarioanalyse


Gekürzter Auszug aus dem gleichnamigen Kurzpaper (Version 01) vom 26.03.2020. Das gesamte Paper finden Sie hier.

 

Status Quo

Am 11. März 2020 wurde die weltweite Ausbreitung der Coronavirus-Erkrankung (COVID-19) von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu einer Pandemie erklärt. Das RKI schätzt die Gefährdung für die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland als hoch ein und verweist zur Eindämmung des Virus auf die Reduzierung von sozialen Kontakten, mit dem Ziel der Vermeidung von Infektionen im privaten, beruflichen und öffentlichen Bereich. Als Reaktion auf diese Einschätzungen vereinbarten die Bundesregierung und die Bundesländer am 16. März 2020 Leitlinien zum Vorgehen in der Corona-Krise, die temporäre Schließungen vieler Einrichtungen beinhalteten, darunter:

  • Theater, Opern, Konzerthäuser u.ä.
  • Messen, Ausstellungen, Kinos, Freizeit- und Tierparks und Anbieter von Freizeitaktivitäten (drinnen und draußen), Spezialmärkte, Spielhallen, Spielbanken, Wettannahmestellen und ähnliche Einrichtungen
  • Zusammenkünfte in Vereinen und sonstigen Sport- und Freizeiteinrichtungen sowie die Wahrnehmung von Angeboten in Volkshochschulen, Musikschulen und sonstigen öffentlichen und privaten Bildungseinrichtungen im außerschulischen Bereich sowie Busreisen

Diese Schließungen führen in der Kultur- und Kreativwirtschaft zu einer besonderen Gefährdung, da für einige Unternehmen und Selbstständige große Umsatzausfälle entstehen. In der Kreativwirtschaft arbeiten viele Freiberufler/innen und Kleinstunternehmen. Diese sind stärker als andere auf Veranstaltungen und Märkte angewiesen, um Geld zu verdienen. COVID-19 trifft die Branche deshalb besonders hart.

Die Corona-Pandemie ist hinsichtlich der Auswirkungen auf die Gesellschaft und Wirtschaft einmalig in der bundesdeutschen Geschichte und nur begrenzt mit vorherigen Krisensituationen zu vergleichen. Das bedeutet auch, dass vergangene Maßnahmen und Hilfspakete im Zuge großer
Krisensituationen nur begrenzt mit der jetzigen Situation vergleichbar sind. Bei keiner der vorherigen Krisen, wie bspw. der Weltwirtschaftskrise von 2007/2008, war die Bewegungsfreiheit der Menschen so eingeschränkt wie bei der aktuellen Corona-Pandemie. Keine andere Krise hatte
einen solch starken globalen Einfluss, sodass sowohl die Angebots- als auch die Nachfrageseite betroffen waren.

Methodik der Szenarioanalyse

Die Hochrechnungen zur Betroffenheit der Kultur- und Kreativwirtschaft (KKW) sowie einzelner Teilmärkte basieren auf Daten des Statistischen Bundesamtes (Umsatzsteuerstatistik) sowie der Bundesagentur für Arbeit für das Jahr 2018. Aktuelle Meldungen zu den Auswirkungen der
Corona-Pandemie auf die Gesamtbranche und ihre Teilmärkte wurden kontinuierlich beobachtet und systematisiert. Neben den Entwicklungen auf Bundesebene wurden insbesondere diejenigen Länder betrachtet, in denen die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie fortgeschrittener
sind und sich folglich Auswirkungen auf die KKW deutlicher abzeichnen. Die gesammelten Erkenntnisse wurden einem Bewertungsschema zugrunde gelegt und einzelnen Wirtschaftszweigen der KKW sowie den Betroffenheitskategorien niedrige, mittlere und hohe Betroffenheit zugeordnet. Auf Grundlage der verfügbaren Daten zu Umsatzrückgängen und Betroffenheiten wurden drei Szenarien berechnet, die den potenziellen wirtschaftlichen Betroffenheitskorridor der KKW in Deutschland wie folgt abbilden sollen:

  • In einem ersten Szenario (mildes Szenario) wird bei einer starken Betroffenheit davon ausgegangen, dass einigen Teilbranchen 20 bis 30 Prozent der jährlichen Einnahmen aufgrund ausbleibender Einkünfte entfallen. Eine mittlere Betroffenheit steht in bestimmten Teilbranchen für Umsatzeinbußen von 10 bis 20 Prozent, eine niedrige Betroffenheit für 5 bis 10 Prozent. Zum Teil wird bei einigen Beschäftigungsgruppen auch davon ausgegangen, dass die Corona-Pandemie keine finanziellen Auswirkungen haben wird.
  • In einem zweiten Szenario (mittleres Szenario) entstehen bei einer starken Betroffenheit 30 bis 40 Prozent an Umsatzeinbußen durch ausbleibende Einkünfte. Eine mittlere Betroffenheit steht für Umsatzeinbußen von 20 bis 30 Prozent und eine niedrige Betroffenheit für 10 bis 20 Prozent. Dieses Szenario passt zu Vermutungen, dass der Höhepunkt der Krise im Mai bzw. Juni erwartet wird und danach langsam eine Erholung der Wirtschaft stattfindet.
  • Ein drittes Szenario (gravierendes Szenario) – was für den schlimmsten Verlauf steht – führt bei einer starken Betroffenheit zu einem Ausfall von 70 bis 80 Prozent der jährlichen Umsätze, bei einer mittleren Betroffenheit zu 50 Prozent an Einbußen und bei einer niedrigeren
    Betroffenheit zu 20 bis 30 Prozent. Es wird davon ausgegangen, dass die Umsätze in den nächsten Monaten zum Teil komplett ausfallen und im weiteren Jahresverlauf zu einem bestimmten – im Moment noch nicht absehbaren – Zeitpunkt wieder ansetzen.

Im Folgenden wird dargelegt, welche wirtschaftlichen Folgen in den drei oben genannten Szenarien auftreten würden. Dabei ist anzumerken, dass es sich bei den Angaben um jahresweite Umsatzausfälle und somit um Jahresdurchschnittswerte handelt. Die Umsatzausfälle sind nicht gleichmäßig auf das Jahr verteilt, sondern treten in den meisten Fällen innerhalb der kommenden drei bis vier Monate ein.

Betroffenheit der Beschäftigungsfelder der KKW in Deutschland

Abbildung: Übersicht zu den Teilmärkten Film, Buch und Kunst

Interpretationshilfe: In der Musikwirtschaft sind 62 % der Solo-Selbständigen, Freiberufler/innen oder Unternehmen
sehr stark von Umsatzausfällen betroffen. Der Restanteil weist eine mittlere oder milde Betroffenheit auf.

Musikwirtschaft: Zum jetzigen Stand wird davon ausgegangen, dass für mindestens drei bis vier Monate die Umsätze durch Musikveranstaltungen wegfallen. Es ist zu erwarten, dass ein Großteil der Menschen Online-Reservierungen für Konzerte stornieren wird. Ansatzpunkte dazu liefert die Situation in Italien, wo kurzfristig 70 Prozent der Online-Reservierungen storniert wurden. Überträgt man die Auswirkungen auf die einzelnen Gruppen der Musikwirtschaft, werden Umsatzeinbußen von 1,6 (milder Verlauf) bis 5,1 Mrd. € (gravierender Verlauf) erwartet. Das würde bedeuten, dass 19 bis 59 Prozent der jährlichen Umsätze wegfallen. Diese zu erwartenden Umsatzausfälle sind besonders dramatisch vor dem Hintergrund, dass in der Musikwirtschaft 23.100 Mini-Selbstständige und 15.400 geringfügig Beschäftigte arbeiten.

Filmwirtschaft: Durch das Schließen der Kinos entstehen nach der Spitzenorganisation der Filmwirtschaft (SPIO) extreme Schäden, vor allem für
die kleinen und mittleren Kinos. Zudem bestehen allgemein Finanzierungsschwierigkeiten durch den Ausfall von Dreharbeiten. Deutschlandweit wird damit gerechnet, dass die Filmwirtschaft 24 bis 71 Prozent des jährlichen Umsatzes einbüßen wird (insgesamt etwa 2,4 bis 7,2 Mrd. €). Grund hierfür ist insbesondere die Absage von Kinoveranstaltungen und Filmproduktionen. Gleichzeitig wird nicht erwartet, dass die Nachfrage nach Entertainment und Filmen sinken wird. Dies spricht dafür, dass nach Krisenende ein Erholen schnell wieder eintritt. In der Filmwirtschaft
arbeiten knapp 61.000 Kernerwerbstätige und 46.000 Mini-Selbstständige.

Buchmarkt: Es werden Umsatzeinbußen von 1,3 bis 4,5 Mrd. € erwartet. Dies entspricht 10 bis 34 Prozent der jährlichen Umsätze. Der Großteil der Verluste wird bei Buchverlagen und Unternehmen des Einzelhandels (wie bspw. Buchläden) vermutet. Durch die angeordneten Geschäftsschließungen fallen Bestellungen der Buchhandlungen bei den Verlagen aus. Es wird davon ausgegangen, dass wegfallende Einnahmen nur zum Teil durch den Online-Vertrieb kompensiert werden können. Amazon kündigt an bis April keine Bücher bei Verlagen zu bestellen und seine Prioritäten auf aktuell stark nachgefragte Artikel zu lenken (z.B. Haushaltswaren, Sanitärartikel etc.). Gerade kleine Läden mit einem begrenzten Online-Angebot können von der Krise daher stark getroffen werden. Auch diese Annahmen werden von den Erfahrungen aus Italien unterstützt. Dort
verzeichneten Buchhandlungen einen Umsatzrückgang von 25 Prozent. In den vom Coronavirus am stärksten betroffenen Gebieten wurden Rückgänge von bis zu 70 Prozent gemeldet. Der Buchmarkt umfasst knapp 70.000 Kernerwerbstätige, zudem werden knapp 30.000 Mini-Selbstständige gezählt.

Kunstmarkt und darstellende Künste: Der Markt für darstellende Künste wird vermutlich sehr stark getroffen. Nahezu alle Beschäftigten dieses Teilmarkts werden von Umsatzausfällen betroffen sein und 25 bis 75 Prozent ihrer jährlichen Umsätze verlieren. Dies betrifft selbstständige KünstlerInnen, Varietés und Kleinkunstbühnen sowie Kulturunterrichtsbetriebe wie bspw. Tanzschulen. Sie sind in vielen Fällen auf Auftritte und Veranstaltungen angewiesen. Durch die Absage dieser Veranstaltungen bricht der Umsatz dieser Berufsgruppen temporär fast vollständig weg. Auch im Kunstmarkt wird erwartet, dass 21 bis 64 Prozent der Umsätze dieses Jahres ausfallen. Entscheidend wird sein, wie lange die Schließung der Einzelhandelsläden sowie das Ausbleiben von Ausstellungen und Veranstaltungen andauert. Der Kunstmarkt umfasst knapp 17.700 Kernerwerbstätige und 27.300 Mini-Selbstständige. Im Markt für darstellende Künste sind 46.200 Kernerwerbstätige und 49.800 Mini-Selbstständige.

Betroffenheit der Kultur- und Kreativwirtschaft insgesamt in Deutschland

Zusammengenommen wird geschätzt, dass in der Kultur- und Kreativwirtschaft in einem mittleren Szenario Umsatzeinbußen von 14,7 Mrd. € entstehen. Diese Einbußen bedeuten, dass der jährliche Umsatz der KKW um knapp 9 Prozent sinken wird. Dramatisch sind
diese Zahlen vor dem Hintergrund, dass die Umsatzausfälle nicht gleichmäßig auf das Jahr verteilt sind, sondern aktuell und innerhalb der kommenden drei bis vier Monate eintreten werden. Im milden Szenario belaufen sich die geschätzten Einbußen auf 9,5 Mrd. € (knapp 6 Prozent Umsatzrückgang) und im gravierenden Szenario auf 27,8 Mrd. € (knapp 16 Prozent Rückgang des jährlichen Umsatzes). Wie die Situation genau verläuft und wie lange die Teilbranchen der KKW von Umsatzausfällen betroffen sind, muss dabei stetig aktualisiert und neu bewertet werden.

Es ist zu beobachten, dass die Kulturwirtschaft eine stärkere Betroffenheit aufweist als die Kreativwirtschaft, zu der die Teilmärkte Werbemarkt sowie die Software- und Gamesindustrie zählen. Die Kulturwirtschaft wies 2018 einen Gesamtumsatz von über 90 Mrd. € auf. Es wird geschätzt,
dass über 80 Prozent der Umsatzeinbußen auf die Kulturwirtschaft zurückzuführen sein werden. Im mittleren Szenario lägen diese bei 12,4 Mrd. € im gravierenden Szenario bei 24,8 Mrd. €.

Abbildung: Geschätzte Umsatzeinbußen der Kultur- und Kreativwirtschaft im Jahr 2020

Insgesamt erwirtschaftete die Branche im Jahr 2018 knapp 170 Mrd. € Umsatz.

Nicht berücksichtigt bleiben dabei Einbußen durch die Vernetzung der KKW mit anderen Branchen und daraus resultierende Effekte. Die Unternehmen der KKW dienen, zusätzlich zur eigenen Innovationsleistung, als Impulsgeber für andere Branchen.

Die größten Schäden entstehen in der KKW jedoch für Selbstständige, Freiberufler/innen, geringfügig Beschäftigte und Mini-Jobber/innen. Im Jahr 2018 befanden sich knapp 300.000 Beschäftigte der KKW in geringfügiger Beschäftigung. Knapp 260.000 Personen sind als Freiberufler/innen und Selbstständige tätig. Zudem waren knapp 340.000 Menschen als sogenannte Mini-Selbstständige – d. h. mit einem Jahresumsatz von weniger als 17.500 € – beschäftigt. In Deutschland sind besonders viele Selbstständige in der KKW tätig. Knapp 22 Prozent der Kernerwerbstätigen sind selbstständig. Bei Künstlerinnen und Künstlern, Kreativen, Journalist/innen und Linguist/innen liegt die Quote der Selbstständigen sogar
noch höher – bei mehr als 50 Prozent. Im Vergleich dazu ist in der Gesamtwirtschaft deutschlandweit nur jede/r Zehnte selbstständig. Je Unternehmen in der KKW sind durchschnittlich nur 4,7 Kernerwerbstätige beschäftigt. Aufgrund der Beschäftigungsstruktur und einer großen Abhängigkeit von Veranstaltungen und Auftritten sind die Gruppen der Selbstständigen, Freiberufler/innen und geringfügig Beschäftigten in dieser Krise besonders gefährdet. Die Probleme können in vielen Fällen innerhalb kürzester Zeit zur Existenznot führen.

Abbildung: Beschäftigungsstruktur der KKW im Jahr 2018

Mögliche „Chancen“ durch die Corona-Pandemie

Trotz der genannten bedrohlichen Auswirkungen bestehen in einigen Bereichen auch Chancen durch die Krisensituation. So zeigt das Beispiel Italien, dass durch die Krise neue Services und Technologien erprobt werden. Der italienische Verlegerverband machte dem italienischen Schulsystem z. B. das Angebot, virtuelle Lehrplattformen und digitale Inhalte kostenlos für Pädagog/innen zur Verfügung zu stellen. Schülerinnen und Schüler sollten virtuelle Klassen nutzen und als Nebeneffekt die Funktionsfähigkeit der Systeme testen und beweisen können. Allgemein besteht eine steigende Nachfrage nach „Stay in house“-Services, wie Streaming-Diensten. Diese Nachfrage kann für bestimmte Teilbranchen zum Test neuer Formate genutzt werden. So wurden von der Bayerischen Staatsoper und dem Tonhalle-Orchester in Zürich Video-on-Demand und Live-Streams im Internet erprobt. Am Beispiel Südkorea zeigt sich, dass auch weitergehende Möglichkeiten, wie Drive-through-Büchereien oder Virtual-Reality-Museen, denkbar sind. Somit kann die Krise auch als Projektförderung im Bereich Digitalisierung angesehen werden. Finanzielle Hilfen könnten zu einem bestimmten Teil genau für den Test solcher Formate und Zukunftsvisionen genutzt werden und somit langfristig zusätzliche Umsatzquellen für die Branche erschließen.

Dies ist ein gekürzter Auszug aus dem am 26.03.2020 erschienenen Kurzpaper “Betroffenheit der Kultur- und Kreativwirtschaft von der Corona-Pandemie”. Das gesamte Paper mit weiteren Zahlen, einer Betrachtung des internationalen Umgangs mit dem Thema und allen Quellennachweisen finden Sie hier.

 

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Aktualisierung des Kurzpapers „Betroffenheit der Kultur- und Kreativwirtschaft von der Corona-Pandemie”
(Stand 17.04.2020)

Auszug aus dem Kurzpaper, das am 21.04.2020 veröffentlicht wurde. Das gesamte Paper finden Sie hier.

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Die zweite Version (Stand 17.04.2020) berücksichtigt die dynamischen Entwicklungen der vergangenen Wochen und greift jüngste Veränderungen im politischen und wirtschaftlichen Bereich auf. Zum einen erfasst die vorliegende Kurzstudie die kürzlich beschlossenen Lockerungen im Einzelhandel sowie die vorläufigen Regelungen für Clubs, Theater, Konzerthäuser und Großveranstaltungen unter Berücksichtigung der zeitlichen Betroffenheit. Zum anderen werden die aktuell gravierenden Entwicklungen im Werbemarkt und ihre Wechselwirkung mit den Bereichen Rundfunk und Presse sowie der konjunkturelle Verlauf und die damit verbundenen Auswirkungen auf die Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen aus der KKW in die Szenariobewertung aufgenommen.

Demnach ist eine stärkere Betroffenheit, insbesondere in den Teilmärkten Rundfunkwirtschaft, Werbe- und Pressemarkt sowie der Software-/Games-Industrie zu verzeichnen. Da die Umsätze der genannten Teilmärkte einen großen Anteil am Gesamtumsatz der KKW haben, fallen die geschätzten Umsatzverluste der Gesamtbranche deutlich größer aus als ursprünglich angenommen. Unverändert bleiben die Szenarien für die Teilmärkte Musik- bzw. Filmwirtschaft sowie den Buch- und Kunstmarkt.

Abbildung: Geschätzte Umsatzeinbußen der Kultur- und Kreativwirtschaft im Jahr 2020

Insgesamt erwirtschaftete die Branche im Jahr 2018 knapp 170 Mrd. € Umsatz.

Die aktualisierte Version beinhaltet zudem eine zeitliche Perspektive der wirtschaftlichen Einschränkungen:

Abbildung: Geschätzte Umsatzeinbußen der KKW im Jahresverlauf 2020 (gerundet)

Insgesamt werden die Umsatzeinbußen im Jahr 2020 auf 21,7 bis 39,8 Mrd. € geschätzt

Demnach konzentriert sich mehr als die Hälfte der gesamten Umsatzverluste der KKW im zweiten Quartal, wobei sich der negative Umsatztrend im Verlauf des Jahres konjukturbedingt fortsetzt. Perspektivisch ist in einigen Teilmärkten mit weiteren Umsatzverlusten im Jahr 2021 zu rechnen, die aus ausbleibenden Erlösausschüttungen aus der Verwertung von Rechten sowie aus hohen Investitionsstaus resultieren.

Die internationale Perspektive auf die Corona-Pandemie wurde in der zweiten Version des Dokuments ebenfalls erneuert. So finden sich in einigen Fällen aktuellere Informationen in Bezug auf länderspezifische Maßnahmen zur Eindämmung der wirtschaftlichen Folgen. Es zeigt sich, dass
die Maßnahmen in den meisten betrachteten Ländern seit der ersten Version deutlich konkretisiert worden sind, was gleichermaßen auf die Kultur- und Kreativwirtschaft zutrifft.

Auszug aus dem Kurzpaper, das am 21.04.2020 veröffentlicht wurde. Das gesamte Paper finden Sie hier.

 


 

Übersicht der Fördermaßnahmen der Bundesländer zur Corona-Pandemie

 

Gekürzter Auszug aus dem gleichnamigen Kurzpaper, das am 08.04.2020 erschienen ist. Das gesamte Paper finden Sie hier.

 

Um den Betroffenen unverzüglich zu helfen und die Zeit bis zum Anlaufen der großen Rettungsschirme des Bunds bestmöglich zu überbrücken, haben die Bundesländer konkrete Soforthilfen auf dem Weg gebracht. Im Folgenden werden diejenigen Fördermaßnahmen betrachtet, die die
Fallgruppe der Kreativen und Künstler/innen (Freiberufler/innen und Solo-Selbstständige) sowie Kultureinrichtungen (Kleinunternehmen mit bis zu 50 Beschäftigten) zuzuordnen sind. Hierzu gehören insbesondere direkte Zuschüsse und Darlehen. Ziel der Ausarbeitung besteht darin, einen systematischen Überblick über die Fördermaßnahmen der Bundesländer zu geben. Darüber hinaus werden ergänzende Förderinstrumente diskutiert, die in den Bundesländern angestoßen wurden, um auf die aktuellen Bedarfe der Kultur- und Kreativwirtschaft zu reagieren.


Zuschüsse

Bund und Länder unterstützen Solo-Selbstständige und Kleinunternehmen in großem Umfang durch Zuschüsse. Viele Länder reichen nicht nur Bundesmittel an die Firmen weiter, sondern stocken das Programm durch eigene Gelder auf. Hervorzuheben ist, dass seit dem 30. März Soforthilfen des Bundes für kleine Unternehmen zu Verfügung stehen. Im Zuge dessen passen einige Bundesländer zum April ihre Förderprogramme dahingehen an, das Solo-Selbständige und Kleinstunternehmen über Bundesmittel gefördert werden. Für größere Unternehmen stehen weiterhin Fördergelder aus Landesmittel zur Verfügung.

Die Zuschüsse sind in den meisten Fällen zweckgebunden und dienen der Abfederung von beruflichen und betrieblichen Kosten für drei Monate. Zu diesen zählen z.B. Miet- und Pachtzahlungen für gewerbliche Immobilien, Zinszahlungen, Finanzierungsraten für fremdfinanzierte Maschinen, Anlagen und Einrichtungen. Ausdrücklich davon ausgenommen sind Einkommensausfälle, die Künstler/innen und Kreative in Folge von verschobenen oder abgesagten Aufträgen erleiden. In einigen Bundesländern kann der Zuschuss gleichermaßen für Personalkosten verwendet werden, was neben den Gehältern für Beschäftigte auch das eigene Gehalt abdeckt. Außerdem bieten manche Bundesländer ergänzende Förderprogramme an, die auch Einkommensausfälle abdecken.

Zuschüsse aus Landesmitteln werden in den jeweiligen Bundesländern gestaffelt angeboten, wobei unterschiedliche Abstufungen in der Förderhöhe der jeweiligen Fördergruppen bestehen. Die Förderhöhe für Solo-Selbstständige beträgt 2.000 bis 2.500 Euro, für Unternehmen mit bis zu fünf Beschäftigte 5.000 bis 9.000 Euro, 15.000 Euro für Unternehmen mit bis zu zehn Beschäftigte sowie 15.000 bis 40.000 Euro bis 50 Beschäftigte. In fast allen Bundesländern werden nicht rückzahlbare Zuschüsse bereitgestellt.

Zusammenspiel der Fördermaßnahmen von Bund & Ländern

Im Rahmen eines 50 Mrd. schweren Corona-Soforthilfepakets für Solo-Selbstständige und Kleinstunternehmen sieht der Bund eine gestaffelte Auszahlung von Zuschüssen in Höhe von 9.000 Euro für Solo-Selbstständige und Betriebe mit bis zu fünf Mitarbeiter sowie eine Auszahlung von bis zu 15.000 Euro bei maximal zehn Mitarbeiter vor. Der Bundeszuschuss dient der Abdeckung von Betriebskosten, gilt jedoch nicht für Lebenshaltungskosten oder den Lohnausfall bei Selbständigen. Die Bearbeitung von Anträgen, die Auszahlung und ggfs. Rückforderungen der Mittel ist durch Länder und Kommunen vorgesehen. Die Regelungen zur Kombinierfähigkeit der Zuschüsse von Bund und Ländern unterscheidet sich von Bundesland zu Bundesland.


Kredite & Darlehen

Neben der Corona-Soforthilfe durch Zuschüsse unterstützen zahlreiche Bundesländer Unternehmen als auch Solo-Selbstständige durch kurzfristige Liquiditätshilfen in Form von Krediten und Darlehen. Darunter fallen vor allem Kredite für Freiberufler/innen, Kleinstunternehmen und KMU.
Die Höhe der Fördervolumina und die Förderkonditionen – bspw. hinsichtlich der Zinshöhe, Darlehenslaufzeit oder Hypotheken/Sicherheiten – unterscheiden sich dabei von Bundesland zu Bundesland.

Für kleine und mittlere Unternehmen werden auf Landesebene vereinzelt auch Kredite mit vergleichsweise hohen Fördervolumina ausgereicht. Hier reicht die Spanne der maximalen Darlehenshöhe von 2 Mio. Euro (Akutkredit der Förderbank Bayern sowie Thüringer Konsolidierungsfonds für kleine und mittlere Unternehmen) bis 10 Mio. Euro (Universalkredit der der Förderbank Bayern für Angehörige der Freien Berufe und Unternehmen mit einem jährlichen Gesamtumsatz von maximal 500 Millionen Euro).

Kredite zur Überbrückung von Liquiditätsengpässen können zudem über Kreditbürgschaften der KfW besichert werden. Wenn die finanzierenden Banken und Sparkassen auf Grund fehlender Sicherheiten nicht in der Lage sind, einen Kredit zur zeitlichen Überbrückung zu gewähren, übernehmen die Bürgschaftsbanken einen Großteil des Risikos. Die Kreditbürgschaften werden über die Bürgschaftsbanken der Bundesländer ausgereicht.


Weitere Förderansätze der Bundesländer

Neben den beschlossenen Zuschüssen sowie Krediten und Darlehen, werden in einzelnen Bundesländern und Städten weitere Fördernotwendigkeiten erkannt und durch ergänzende Maßnahmen flankiert. Eine Liste finden sie im Paper ab Seite 9.

 

Übersicht der Zuschüsse aus Landesprogrammen der einzelnen Bundesländer:

 

 

Dies ist ein gekürzter Auszug aus dem gleichnamigen Kurzpaper, das am 08.04.2020 erschienen ist. Das gesamte Paper inklusive Quellen finden Sie hier.