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Gründen für mehr Kreislaufwirtschaft

Die Kultur- und Kreativwirtschaft hat bereits einen großen Beitrag zur Kreislaufwirtschaft geleistet. Viele innovative Projekte sind entstanden. Doch es braucht noch viel mehr Initiativen in diesem Bereich. Was wir dafür tun müssen. Ein Gastbeitrag von Gründer und Wirtschaftsjournalist Martin Kaelble.

Im Kampf gegen den Klimawandel hat das Modell der Kreislaufwirtschaft stark an Bedeutung gewonnen. Und gerade die Kultur- und Kreativwirtschaft ist in einzelnen Bereichen vorangeschritten. Hier wurde mutig experimentiert und ausprobiert. Manchmal im Großen, manchmal im ganz Kleinen. Jede Initiative hilft, um im Wettlauf mit der Zeit in der Klimakrise voranzukommen. Dabei ist wichtig: Jede noch so kleine Initiative bereitet den Weg für die größere Vision einer Wirtschaft, die durch einen Kreislauf schonender mit den Ressourcen unseres Planeten umgeht. Wie beim Klimaschutz an sich, gilt auch hier: Je mehr mitmachen, desto größer die Wirkung. Je mehr innovative Ansätze gerade aus der experimentierfreudigen Kultur- und Kreativwirtschaft kommen, desto besser. Beispiele dafür finden sich im Mode- oder Produktdesign. Darüber hinaus gibt es auch eine zunehmende Offenheit in der Kulturwirtschaft und der Eventbranche, zirkulär und nachhaltig in Prozessen zu denken. Das reicht von Filmproduktionen bis hin zu Konzerten. Veranstalter*innen integrieren Nachhaltigkeitsaspekte, indem sie lokale Ressourcen nutzen, Abfall minimieren und Energieeffizienz steigern. Dies zeigt, dass Nachhaltigkeit nicht nur eine ökologische, sondern auch eine kulturelle Dimension hat.

Bei allen Fortschritten bleibt aber die Kernfrage:

Wie können noch viel mehr solcher Initiativen und Gründungen im Kultur- und Kreativbereich angeschoben werden?

Denn eines ist wichtig zu verstehen: Angesichts der enormen Herausforderung des Klimawandels und des damit einhergehenden Zeitdrucks brauchen wir noch viel mehr als bisher. Als Gründer in Deutschland habe ich hier meine ganz eigene, persönliche Perspektive darauf, welche Hürden es noch gibt.

Ein erster Punkt sind generelle Rahmenbedingungen für das Gründen. Wir brauchen viel mehr Initiativen und Firmen in der Kreislaufwirtschaft – also sollte es generell so einfach wie möglich gemacht werden, etwas auf die Beine zu stellen. Gerade auch wenn es um experimentelle Projekte geht. In Deutschland stellen aber bürokratische Hürden und komplexe Gründungsprozesse oft Hindernisse für Startups dar. Es bedarf einer Vereinfachung der Gründungsprozesse und einer passenderen Förderlandschaft, um mehr Innovator*innen zu ermutigen. Deutschland muss eine Kultur der Innovation und des Experimentierens fördern, um die Kreislaufwirtschaft weiter voranzutreiben. Dies erfordert eine engere Zusammenarbeit zwischen staatlichen Institutionen, Bildungseinrichtungen und der Privatwirtschaft. Die Förderung von Forschung und Entwicklung im Bereich nachhaltiger Technologien und Geschäftsmodelle ist dabei unerlässlich.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Diversität. Unterschiedliche Perspektiven und Erfahrungen sind entscheidend, um kreative, nachhaltige Lösungen zu entwickeln und neue Wege zu gehen. Die Circular Economy ist in sich schon ein neuer Weg. Und dafür brauchen wir neue Geschäftsmodelle und Denkansätze, die nur durch eine vielfältige Gründungslandschaft entstehen können.

Wichtig ist schließlich auch die Bedeutung der Bildungseinrichtungen. Sie spielen eine entscheidende Rolle bei der Vermittlung von Fähigkeiten und Wissen, die für die Kreislaufwirtschaft erforderlich sind. Universitäten und Fachhochschulen sollten Lehrpläne anpassen, um Studierende besser auf die Herausforderungen und Möglichkeiten der Kreislaufwirtschaft vorzubereiten. So können hier auch mehr Initiativen und Startups direkt aus dem universitären Bereich entstehen.

Die Kultur- und Kreativwirtschaft kann eine wichtige Rolle spielen, wenn es darum geht, die Kreislaufwirtschaft weiter und schneller voranzutreiben. Ihre Fähigkeit, unkonventionelle Lösungen zu finden, macht sie zu einer starken Akteurin. Es ist an der Zeit, das volle Potenzial dieser Branche zu nutzen und eine Zukunft zu gestalten, in der Wirtschaft und Nachhaltigkeit Hand in Hand gehen.

 

Anstehende Veranstaltungen

  1. Sommerpavillon der Kultur- und Kreativwirtschaft

    17. Juni - 30. September
  2. Wissenschaftscamp: Universität der Zukunft

    17. Juni - 18. Juni
  3. Musikalischer Sommerempfang der Musikwirtschaft zur Fête de la Musique

    21. Juni, 14:00 - 18:00
  4. Finale des Creative Lab #7 Kreislaufwirtschaft

    11. Juli, 17:00 - 21:30

Credits

Text: Martin Kaelble

Fotos: Unsplash

Wie trägt Kultur- und Kreativwirtschaft zu mehr Kreislaufwirtschaft bei?

Prinzipien aus der Natur abzuschauen hat schon viele Erfindungen hervorgebracht. Insbesondere Kreislaufsysteme der Natur sind Vorbilder für ein nachhaltigeres Leben. Die Umgestaltung unserer Wirtschaft zu einem kreislaufwirtschaftlichen System stellt jedoch eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung dar, die nur branchenübergreifend und ganzheitlich gelöst werden kann. Im Unterschied zum deutschen Begriff „Kreislaufwirtschaft“, der sich auf den Umgang mit Abfall fokussiert, ist der englische Begriff „Circular Economy“ (also „zirkuläres Wirtschaften“) bereits viel weiter gefasst und betrachtet das gesamte Produktsystem. Hier geht es um durchdachte Kreisläufe von Anfang an, die bereits beim Design von Produkten beginnt.

Innovative Ideen und praktische Ansätze für zirkuläres Wirtschaften finden sich schon seit Jahren in der Kultur- und Kreativwirtschaft, zum Beispiel in der Architektur, im Produkt- und Materialdesign, der Film- und Veranstaltungsindustrie sowie dem Modemarkt. Viele Beispiele werden Sie in diesem Magazinschwerpunkt kennenlernen können

In unserer Kurzreportage zur Kreislaufwirtschaft haben wir diesmal mit Architekt*innen Sandra Düsterhus (Point.Architektur) und Martin Haas (haascookzemmrich) über die Ansätze bei ihren Projekten in der Außen- und Innenarchitektur gesprochen und was der Fokus auf Kreislaufwirtschaft auch für die Gestaltung bedeutet.