„Die Kultur- und Kreativwirtschaft ist meine Zukunftsressource“
Im exklusiven Interview mit dem KreativBund spricht Gitta Connemann über die Potenziale der Kultur- und Kreativwirtschaft als wichtige Ressource für die Zukunft
mit PStSin Gitta Connemann6 min.Interview21. April 2026

Gitta Connemann, Parlamentarische Staatssekretärin bei der Bundesministerin für Wirtschaft und Energie
credits: Laura Hoffmann
Beim Jahreskongress des KreativBund Ende 2025 haben Sie betont, die KKW sei aus Ihrer Sicht "kein nice to have", sondern "eine strategische Zukunftsressource". Wie kann aus Ihrer Perspektive die KKW mit konkreten Impulsen die Zukunft aktiv gestalten? Wo brauchen wir die KKW in Zukunft?
GITTA CONNEMANN Die Kultur- und Kreativwirtschaft ist mehr als ein Ornament. Sie ist Fundament. Denn sie ist Innovationstreiber und damit ein Motor für unsere Gesamtwirtschaft. So entstehen neue Ideen und wirken weit über die Branche hinaus.
Kreative denken anders. Sie finden Lösungen, wo andere noch suchen. Genau das brauchen wir. Für den Wandel unserer Wirtschaft. Für neue Produkte. Für neue Wege.
Die Branche hilft anderen, besser zu werden. Sie verbindet. Sie bringt frische Perspektiven in den Mittelstand und in die Industrie. Sie ist als Querschnittbranche u.a. durch kreative Cross-Innovation ein "Problemlöser" für andere Branchen.
Darum bleibe ich dabei: Die Kultur- und Kreativwirtschaft ist eine strategische Zukunftsressource. Und ja – als Mittelstandsbeauftragte sage ich auch: Sie ist Meine Zukunftsressource.
„Wir bauen Bürokratie zurück. Unsere Modernisierungsagenda macht z.B. Gründungen leichter. Diese müssen zukünftig in 24 Stunden möglich sein."
Was trägt die Politik dazu bei, die wirtschaftliche, technologische und gesellschaftliche Wirkung der Kultur- und Kreativwirtschaft als Innovationskraft und Zukunftsressource konsequent zusammenzudenken?
GITTA CONNEMANN Wir wollen, dass die Branche stark ist - und das geht nur mit den passenden Rahmenbedingungen. Dies haben CDU, CSU und SPD deshalb schon im Koalitionsvertrag adressiert. Und darum haben wir in der neuen Bundesregierung die Kultur- und Kreativwirtschaft auch wieder in den Fokus gerückt.
„Wir" sind insbesondere unser Bundesministerium für Wirtschaft und Energie und unser Kulturstaatsminister Wolfram Weimer. Ihm und mir war es wichtig, bereits kurz nach unserem Amtsantritt zu einem Branchendialog Kultur- und Kreativwirtschaft einzuladen. Denn die Politik muss mit der Wirtschaft sprechen nicht über sie.
Bei diesem Gespräch wurde deutlich, was die Selbständigen und Betriebe belastet: erstickende Regulierung, zu lange Planungs- und Genehmigungsverfahren, zu wenig Unterstützung im Ausland, zu komplexe und hohe Besteuerung und immer wieder auch ein Mitarbeiterengpass.
Diesen Mängelkatalog arbeiten wir jetzt Schritt für Schritt ab. Wir bauen Bürokratie zurück. Unsere Modernisierungsagenda mach z.B. Gründungen leichter. Diese müssen zukünftig in 24 Stunden möglich sein. Es wird kein „Gold-Plating“, kein „Bürokratie-Obendrauf“ bei der Umsetzung von EU-Recht mehr geben. Eine KI-gestützte Gesetzgebung wird zukünftig vorab die Praxistauglichkeit neuer Antragswege prüfen. Und die Bagatellgrenze bei der Meldepflicht von KSK-Abgaben wird erhöht - Von all diesen Maßnahmen werden gerade kleine Unternehmen und Solo-Selbständige profitieren. Eine entscheidende Bürokratieentlastungen für alle Unternehmen der Kreativwirtschaft wird zudem der volle Rollout des Basisregisters für Unternehmen sein. Wir unterstützen auch beim Schritt ins Ausland im Rahmen der Außenwirtschaftsförderung.
Wichtig ist mir gerade als Mittelstandsbeauftragte: Kreative müssen Zugang zu Förderprogrammen haben wie andere Mittelständler auch.
Auch neue Entscheidungen helfen - wie die Förderung der Filmbranche, die unser BKM Wolfram Weimer gerade auf den Weg gebracht hat. Oder die positiven Aussichten, die sich für die Gamesindustrie aktuell abzeichnen. Die Weichen sind also auf „Fahrt voraus“ gestellt. Das gibt Rückenwind.
Aber Politik kann noch mehr tun. Wir müssen zeigen, wie wichtig die Branche für die Gesamtwirtschaft ist. Und wir müssen alles dafür tun, Silodenken zwischen Kultur- und Kreativwirtschaft, Technologie und Gesellschaft aufzubrechen. Denn genau dort liegt die Stärke der Kreativen: Sie bringen alles zusammen. Die Vernetzung bringt uns alle nach vorne. Deshalb unterstützen wir Cross-Innovation Projekte, in denen Kreative mit Unternehmen des Mittelstands und der Industrie anderer Branchen zusammenarbeiten. Das bringt, zur Überraschung mancher, beiden Seiten Synergieeffekte. Es entstehen neue Ideen. Neue Märkte. Neue Chancen.
Seit Frühjahr 2025 wurde der KreativBund mit neuen Formaten, neuen Allianzen und einem starken Netzwerk von Unternehmerinnen und Unternehmen neu ausgerichtet. Welchen Mehrwert erfährt die Branche durch die Arbeit des KreativBund und was wollen Sie noch erreichen?
GITTA CONNEMANN: Der KreativBund hat sich neu aufgestellt. Das war richtig. Denn so wird den Zielen der Initiative Kultur- und Kreativwirtschaft der neuen Bundesregierung Rechnung getragen. Heute geht es stärker um Vernetzung. Alle sollen mitmachen können. Das ist auch Ausdruck der neuen Dynamik der Branche. Mit dieser Vernetzungsstrategie bringt der KreativBund Menschen zusammen, die sonst nicht zusammenfinden würden. Besonders wichtig sind die neuen Formate insbesondere zur Cross Innovation. Diese fördern die Zusammenarbeit mit anderen Branchen. Ganz konkret. Ganz praktisch. So entstehen Projekte, die es ohne diese Unterstützung nicht gäbe, und machen die Kultur- und Kreativwirtschaft für die Gesamtwirtschaft sichtbarer und vernetzter. Das Bundeszentrum bietet damit passgenaue Unterstützung an. Dort, wo es zählt: bei Ideen. Und bei neuen Geschäftsmodellen.
„(...) ich habe ein klares Zielbild für die Zukunft: Die Beauftragung von Kreativ- und Kulturschaffenden sollte eine Selbstverständlichkeit für öffentliche Hand, Mittelstand und Wirtschaft sein."
Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Themen und Hebel, die Sie mit dem KreativBund in den kommenden Jahren angehen wollen?
GITTA CONNEMANN: Die Kreativwirtschaft ist oft einen Schritt voraus. Hat die Potenziale neuer Technologien erkannt und darauf neue Geschäftsmodelle, Produkte und Dienstleistungen aufgebaut. Diese Vorreiterrolle macht sie so interessant für andere Branchen.
Der KreativBund muss an dieser Schnittstelle ansetzen und Kooperationen mit anderen Branchen unterstützen. Erfolgreiche Ansätze im Bereich Cross Innovation können so wachsen. Auch gemeinsam mit den Ländern.
Eine weitere zentrale Aufgabe wird die neugeschaffene Netzwerkstruktur sein. Es wird weiter gestärkt - mit Unternehmen, den Fördernetzwerken, den Ländern und vielen anderen Partnern.
Und ich habe ein klares Zielbild für die Zukunft: Die Beauftragung von Kreativ- und Kulturschaffenden sollte eine Selbstverständlichkeit für öffentliche Hand, Mittelstand und Wirtschaft sein. So wie die Rechts- oder Steuerberatung. "Wer ist Dein kreativer Kopf?" - sollte eine Standardfrage sein. Davon profitieren beide Seiten: die Kultur- und Kreativwirtschaft würde endlich die Anerkennung erhalten, die ihr gebührt. Und andererseits: wer erfolgreich sein will, braucht kreative Köpfe.“




