Cinematic Games: Interaktive und individuelle Erlebnisse erschaffen
Wer würde nicht gerne manchmal entscheiden, dass Romeo und Julia sich doch noch rechtzeitig begegnen, um Schlimmeres zu verhindern? Cinematic Games können diesen Wunsch erfüllen. Sie verbinden klassische filmische Erzählweisen mit spielerischen Elementen und schaffen dadurch neuartige, immersive und individualisierbare Unterhaltungserlebnisse.
6 min.Trendanalyse1. April 2026

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Mitwirkende
Wer würde nicht gerne manchmal entscheiden, dass Romeo und Julia sich doch noch rechtzeitig begegnen, um Schlimmeres zu verhindern? Cinematic Games können diesen Wunsch erfüllen. Sie verbinden klassische filmische Erzählweisen mit spielerischen Elementen und schaffen dadurch neuartige, immersive und individualisierbare Unterhaltungserlebnisse. Durch den Einsatz von Mechanismen der Gamification, zum Beispiel Live‑Votings – Soll Romeo mit dem Gift noch eine Minute warten: Ja oder Nein? – können Zuschauende aktiv in den Handlungsverlauf eingreifen und den Verlauf einer Geschichte mitgestalten, so wie sie ihn sich wünschen. Diese Verschmelzung von Film oder Serie und Gaming steigert nicht nur das Engagement des Publikums, sondern betrifft auch verschiedene Teilmärkte der Kultur- und Kreativwirtschaft – von Film und Fernsehen über Games bis hin zu Performing Arts. Dadurch entsteht ein dynamisches, interaktives Format, das traditionelle Rollen zwischen Produzierenden und Publikum neu definiert.
Die Relevanz für die KKW und ihre Teilmärkte
Die Idee das Publikum und Nutzende mitbestimmen zu lassen, wie eine Geschichte ausgehen soll, ist an sich nicht neu. Neue technische Möglichkeiten ermöglichen aber ein ganz neues Level von Individualisierbarkeit und Mitbestimmung. So werden mit Cinematic Games nun auch Filme und Serien zu individuellen Erlebnissen. Die Grenze zwischen „Second Screen“ – also zum Beispiel das Handy, auf dem man herumtippt, während man einen Film schaut – und dem Hauptbildschirm verschwimmt. Für die Kultur‑ und Kreativwirtschaft ergeben sich daraus neue Geschäftsmodelle an der Schnittstelle von Film, Serien und Games: Streamingdienste können zum Beispiel interaktive Inhalte anbieten, bei denen das Publikum selbst Entscheidungen trifft, und die dabei entstehenden Nutzungsdaten nutzen, um passgenauere Empfehlungen zu geben und neue Einnahmemöglichkeiten zu entwickeln. Zudem werden neue Lizenz‑, Merchandising‑ und Vermarktungsoptionen möglich, da Geschichten in variierenden Verläufen mehrfach erlebt werden können. Auch in den Darstellenden Künsten kommt der Cinematic Games-Ansatz ins Spiel: zum Beispiel bei einer Performance Art‑Aufführung, in der das Publikum mittels Smartphones über die dramaturgischen Entscheidungen der Performenden abstimmt. So bekäme Romeo auch im Theater die Chance auf ein Happy End mit Julia.
Zukunft des Trends
Interaktive Cinematic Games‑Formate können künftig wichtiger für die Kultur‑ und Kreativwirtschaft werden, weil sie Film, Games und Live‑Performance stärker verbinden und so neue Märkte erschließen. Sowohl junge Zielgruppen mit hohem Anspruch an individuelle Angebote und sehr abwechslungsreiche Formate als auch ältere Zielgruppen mit Faible für klassisches Streaming kann Cinematic Games abholen. Solche interaktiven Entscheidungen lassen sich zudem gut in Veranstaltungen einbauen. Die erhöhte Nachfrage nach technologischer Infrastruktur, Spezialsoftware und interdisziplinären kreativen Leistungen stärkt aber nicht nur den Film‑ und Games‑Sektor, sondern auch damit verbundene andere Dienstleistungsmärkte wie bspw. Kommunikationsagenturen, Softwaredienstleistungen oder Experience-Design-Agenturen.
Der Trend in der Praxis
Late Shift: Ein interaktives FMV-Movie-Erlebnis
Dieses Full Motion Video (FMV) ist eine filmisch inszenierte Realfilmstory, die auf Gamingplattformen „spielbar“ ist, ohne ein klassisches Spiel zu sein. Die Nutzenden entscheiden, wie der Film weitergeht. Das Format ist bisher nur über FMV-fähige Plattformen wie PlayStation, Xbox oder Steam nutzbar.
Regisseurin Cosmea Spellekens „Romeo <3 Julia“
Mit ihrer multimedialen „Romeo <3 Julia“. Inszenierung (Theater am Werk Wien) zeigt sie, wie Cinematics, Social Media und Live‑Performance zu einem cineas-tisch‑spielerischen Bühnenerlebnis verschmelzen.
Den Weg ebnen für Cinematic Games
Kaleidoscube aus Stuttgart zählt zu den innovativsten deutschen Studios für narrative, ästhetisch cineastische und interaktiv erzählte Games und wurde durch das theatral inszenierte Erzählspiel „A Juggler’s Tale“ vielfach ausgezeichnet.
Diese Studie ist im im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie sowie des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien entstanden.




