„Core-ification“: Ästhetik basierte Minitrends

Wer würde nicht gerne manchmal entscheiden, dass Romeo und Julia sich doch noch rechtzeitig begegnen, um Schlimmeres zu verhindern? Cinematic Games können diesen Wunsch erfüllen. Sie verbinden klassische filmische Erzählweisen mit spielerischen Elementen und schaffen dadurch neuartige, immersive und individualisierbare Unterhaltungserlebnisse.

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Frauke Dornberg

Christina Schenten

Dr. Olaf Arndt

Minimalistisch, urban, leicht dystopisch: Ästhetik in einer Schwarz-Grau-Palette, Betongebäude und Techno‑Einflüsse. Mit diesen Worten wird der sogenannte „Berlincore“ beschrieben. Bei einem „Core“-Trend handelt es sich um ein sehr einfaches, klar erkennbares ästhetisches Mini‑Trendthema, das meist auf Social‑Media‑Plattformen entsteht. Bekannt aus dem Begriff „Hardcore“ beschreibt die Nachsilbe „-core“ den „Kern“ einer Sache. Es handelt sich um eine spezifische Stimmung bzw. Ästhetik, die oft mit Mode, Lifestyle oder Design verknüpft wird. „Core“ wird dabei sinnbildlich für eine extreme Überzeichnung verwendet: Alles dreht sich um diesen einen Kern – zum Beispiel eben bei dem „Berlincore“ oder der „Coastal Cowgirl“-Core. Sie funktionieren wie visuelle Abkürzungen: Mit wenigen Farben, Motiven oder Symbolen erzeugen sie sofort Wiedererkennung und Zugehörigkeit. Sie sind schnell- und kurzlebig, zirkulieren rasant, werden kombiniert, ironisiert und dann wieder abgelöst. Gerade diese Dynamik macht sie wirtschaftlich relevant: Aus einem ästhetischen Code entsteht binnen kurzer Zeit Nachfrage – etwa für Mode, Design, Medienformate, Musik, Events oder digitale Produkte.

Die Relevanz für die KKW und ihre Teilmärkte

Für die Kultur‑ und Kreativwirtschaft ist Core‑ification deshalb besonders wertvoll. Kreative müssen keine langfristigen, großen Themen entwickeln, sondern können auf bestehende ästhetische Cores aufspringen, sie interpretieren, weiter- oder neuentwickeln. Das senkt Aufwand und Risiko und ermöglicht schnelle und oft niedrigschwellige Geschäftsmodelle – vom limitierten Produkt über Content‑Formate bis hin zu Events oder Merch. Gleichzeitig fördern Core-Trends Communitybindung: Menschen identifizieren sich nicht nur mit einem Produkt, sondern mit einem Gefühl oder einer Ästhetik. Dadurch entstehen Märkte, die emotional und kulturell aufgeladen sind und sich besonders gut für kleine Akteurinnen und Akteure, Soloselbstständige und experimentelle Projekte eignen. Die Teilmärkte Presse und Buch können aus Core‑Ästhetiken bspw. Formate oder Content‑Reihen entwickeln – etwa Playlists wie einen „Berlincore Soundtrack“.

Zukunft des Trends

Eine durch das Internet beschleunigte Lebensweise und die kontinuierliche Präsenz sozialer Medien tragen dazu bei, dass Core‑Trends verstärkt aufgegriffen und genutzt werden. Für die KKW kann das in vielen Teilmärkten Auswirkungen haben: Core-Trends können besonders die Modeindustrie stark beeinflussen, da sie Ästhetik und Geschwindigkeit neu ordnen. An die Stelle langfristiger Trends treten kurzfristige, deutlich codierte Mikro-Ästhetiken, die sich vor allem über Social Media verbreiten. Core-Trends können künftig aber auch besonders für den Games‑ und XR‑Bereich, die Film‑ und Serienproduktion sowie für Werbung und Markenkommunikation relevant werden – sie können mit Cores schnell immersive Welten, klare Atmosphären und starke Identifikationsangebote schaffen. Auch Architektur, Interior Design, Tourismus, Stadtmarketing und die Musik‑ und Eventwirtschaft können von Core‑Ästhetiken profitieren, weil sie Erlebniskonzepte emotional aufladen, Communities binden und kulturelle Narrative wirtschaftlich verwertbar machen.

Der Trend in der Praxis

Heimatcore bei A Kind of Guise

Der Heimatcore ist eine moderne, oft leicht ironische Neuinterpretation von Heimat, die Natur, Handwerk und Tradition mit zeitgemäßem Design verbindet. Das Label A Kind of Guise aus München nutzt diesen Core-Trend für sich und übersetzt ihn in regional gefertigte Materialien und kulturelle Bezüge für moderne Mode.

Neunziger Computerwelt trifft Magazin

Der Internet Aesthetics Core lebt von Screens, Memes, Typo‑Chaos und digitaler Ironie, häufig mit Bezugnahme auf die 90er Jahre. Tegel Media ist ein Onlineverlaglabel, das diese Online‑Codes nutzt, um Internetkultur in originelle Publikationen im Portable Document Format (pdf) zu veröffentlichen, die gleichzeitig Haltung zeigen und sich verkaufen lassen.

TikTok’s CoreCore auf ARTE

Für ihr junges Format „Tracks“ nutzt ARTE den überspitzten Corecore: Eine bewusst chaotische Videoästhetik, die Clips aus Internet, Popkultur, Nachrichten und Social Media montiert, um Reizüberflutung und kollektive Internetmüdigkeit sichtbar zu machen.

Diese Studie ist im im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie sowie des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien entstanden.

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